Wahrer Islam: Wahre Hingabe

Gedanken von Christen zu diesem Thema

Die erste Sure des Koran spricht über das jedem Menschen von Gott ins Herz gelegte Wissen, dass er der Höchste ist, dem allein alles Lob gebührt, und beinhaltet auch eine Bitte um die Führung auf dem rechten Weg:

Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen.
Lob sei Gott, dem Herrn der Welten,
Dem Erbarmer, dem Barmherzigen,
Der Verfügungsgewalt besitzt über den Tag des Gerichtes!
Dir dienen wir, und Dich bitten wir um Hilfe.
Führe uns den geraden Weg,
Den Weg derer, die Du begnadet hast, die nicht dem Zorn verfallen und nicht irregehen.
(Sūrah 1: Al-Fātihah)

Jeder, der Gott von ganzem Herzen und mit einer aufrichtigen Gesinnung sucht, wird ihn finden. Wir möchten mit den in dieser Abhandlung ausgedrückten Gedanken eine Hilfestellung zur Erkenntnis des geraden Weges geben, so wie ihn Gott durch seine Propheten und durch Jesus gezeigt hat.

Wer lehrt uns den wahren Islam?

Suchen sie sich etwa eine andere Religion als die Religion Gottes, wo Ihm ergeben ist, was in den Himmeln und auf der Erde ist, ob freiwillig oder widerwillig, und wo sie (alle) zu Ihm zurückgebracht werden? Sprich: Wir glauben an Gott und an das, was auf uns herabgesandt wurde, und an das, was herabgesandt wurde auf Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und die Stämme, und an das, was Mose und Jesus und den Propheten von ihrem Herrn zugekommen ist. Wir machen bei keinem von ihnen einen Unterschied. Und wir sind Ihm ergeben.
Wer eine andere Religion als den Islam sucht, von dem wird es nicht angenommen werden. Und im Jenseits gehört er zu den Verlierern. (Sura 3: Al-`Imran , 83-85)

Dieser Abschnitt aus dem Koran meint mit dem Begriff “Islam” nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft, sondern Hingabe und Gottergebenheit. Es ist der Glaube, den Abraham hatte, Isaak, Jakob, Mose, die Propheten und Jesus, der Sohn der Maria. Wer sich Gott von ganzem Herzen hingeben will, folgt daher dem Beispiel Abrahams und der Propheten, dem Beispiel Jesu von Nazareth. Sie haben sich Gott ganz hingegeben und waren in diesem Sinn die wahren Muslime, die Gott Ergebenen. Durch sie hat der Allmächtige zur Welt gesprochen und seinen Willen und sein Wesen offenbart. Ihrer Hingabe zu folgen ist der wahre Islam, vollkommene Ergebenheit in den Willen des alleinzigen Gottes.

Wir haben die Tora hinabgesandt, in der Rechtleitung und Licht enthalten sind, damit die Propheten, die gottergeben waren, für die, die Juden sind, (danach) urteilen, […] (Sura 5: Al-Ma´ida , 44)

Und Wir ließen nach ihnen Jesus, den Sohn Marias, folgen, damit er bestätige, was von der Tora vor ihm vorhanden war. Und Wir ließen ihm das Evangelium zukommen, das Rechtleitung und Licht enthält und das bestätigt, was von der Tora vor ihm vorhanden war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.
Die Leute des Evangeliums sollen nach dem urteilen, was Gott darin herabgesandt hat. Und diejenigen, die nicht nach dem urteilen, was Gott herabgesandt hat, das sind die Frevler. (Sura 5: Al-Ma´ida , 46-47)

Und als Jesus mit den deutlichen Zeichen kam, sagte er: “Ich komme zu euch mit der Weisheit, und um euch einiges von dem, worüber ihr uneins seid, deutlich zu machen. So fürchtet Gott und gehorcht mir.” (Sura 43: Az-Zuhruf , 63)

Wer sich Gott ergeben will, folgt dem Wort der Thora, der Propheten und den Worten Jesu, der die Thora bestätigte. Ein wahrer Muslim will die ganze Offenbarung Gottes kennenlernen und kommt daher an der Thora, den Propheten und dem Evangelium nicht vorbei. Er gehorcht den Worten Jesu. Nur so eröffnen sich für ihn die Leitung und das Licht des Allmächtigen, wie es auch diese Schriften selbst bezeugen:

Eine Leuchte für meinen Fuß ist dein Wort, ein Licht für meinen Pfad. (Psalm 119,105)

Denn eine Leuchte ist das Gebot und die Weisung ein Licht, und ein Weg zum Leben sind Ermahnungen der Zucht. (Sprüche 6,23)

Jesus redete nun wieder zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern wird das Licht des Lebens haben. (Johannes 8,12)

Der Koran bezeugt also einmütig mit den Schriften des Alten und des Neuen Testaments, dass wir in der Thora und im Evangelium das Licht und Weisung finden. Was kann also einen Muslim noch hindern, die ganze Offenbarung Gottes kennenzulernen und sich intensiv dem Studium der Worte der Thora und des Evangeliums zu widmen?

Was heißt Hingabe?

Zu Abraham sprach Gott:

Ich bin Gott, der Allmächtige. Lebe vor meinem Angesicht und sei untadelig! Und ich will meinen Bund zwischen mir und dir setzen und will dich sehr, sehr mehren. (Genesis 17,1-2)

Für Abraham bedeutete Hingabe Leben in der Gegenwart Gottes und Streben nach einem untadeligen Leben.

In der Thora finden wir folgendes Gebot:

Höre Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein! Und du sollst den HERRN, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft. Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollen in deinem Herzen sein […] (Deuteronomium 6,4-6)

Durch den Propheten Micha sprach Gott:

Man hat dir mitgeteilt, o Mensch, was gut ist. Und was fordert der HERR von dir, als Recht zu üben und Güte zu lieben und demütig zu gehen mit deinem Gott? (Micha 6,8)

Jesus bestätigte das Gebot der Thora, indem er es das größte Gebot nannte:

Und es fragte einer von ihnen, ein Gesetzesgelehrter, und versuchte ihn und sprach: Lehrer, welches ist das größte Gebot im Gesetz? Er aber sprach zu ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. (Matthäus 22,35-40)

Das Leben Jesu war die größte Verwirklichung dieses Gebotes. Die Liebe zu Gott erfüllte ihn durch und durch. Er blieb Gott in allem treu und konnte – im Gegensatz zu allen anderen Menschen – ohne hochmütig zu sein, seinen Gegnern sagen:

Wer von euch überführt mich einer Sünde? (Johannes 8,46)

Jesus verwirklichte die Güte und Barmherzigkeit Gottes, was auch im Leben seiner Nachfolger sichtbar war, wie auch der Koran bezeugt:

Dann ließen Wir nach ihnen unsere Gesandten folgen. Und Wir ließen Jesus, den Sohn Marias, folgen und ihm das Evangelium zukommen. Und Wir setzten in die Herzen derer, die ihm folgten, Mitleid und Barmherzigkeit […] (Sure 57: Al-Hadid , 27)

Die Bibel beschreibt die Verwirklichung dieser Güte und Barmherzigkeit im Leben der Nachfolger Jesu folgendermaßen:

Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. […] Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war: Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Jubel und Schlichtheit des Herzens, sie lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk […] (Apostelgeschichte 2,42.44-47)

Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam. (Apostelgeschichte 4,32)

Hingabe an Gott bedeutete für die ersten Christen auch Hingabe an die Brüder. Deswegen lebten sie in täglicher Gemeinschaft und teilten ihre Güter miteinander.

Wenn jemand sagt: Wenn jemand sagt: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er gesehen hat, kann nicht Gott lieben, den er nicht gesehen hat. Und dieses Gebot haben wir von ihm, dass wer Gott liebt, auch seinen Bruder lieben soll. (1 Johannes 4,20-21)

Selbst als sich das offizielle Christentum immer mehr der Welt anpasste und den Weg Jesu verließ, gab es noch treue Nachfolger Jesu, die ihrem Gott im täglichen gemeinsamen Lesen der Schrift und Gebet die Treue hielt:

Sie sind nicht (alle) gleich. Unter den Leuten des Buches gibt es eine aufrechte Gemeinschaft. Sie verlesen die Zeichen Gottes zu (verschiedenen) Nachtzeiten, während sie sich niederwerfen.
Sie glauben an Gott und an den Jüngsten Tag. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Verwerfliche und eilen zu den guten Dingen um die Wette. Sie gehören zu den Rechtschaffenen. (Sure 3: Al- ´Imran 113-114)

Die “fünf Säulen” des Islam

Nach der islamischen Tradition verwirklicht sich der Islam, die Hingabe an Gott, vor allem in der Verwirklichung der “fünf Säulen”:

Ibn ‘Umar […] sagte:
Der Gesandte Allahs, […] , sagte:
»Der Islam wurde auf fünf (Tragpfeilern) gebaut:
1. dem Zeugnis, dass kein Gott da ist außer Allah, und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist,
2. dem Verrichten des Gebets,
3. dem Entrichten der Zakah,
5. der Pilgerfahrt
und 4. dem Fasten im (Monat) Ramadan.«1

Was hat uns Gott durch Jesus zu diesen fünf Punkten verkündet, und welche Entsprechungen finden wir im Leben der ersten Christen dazu?

Zu 1. Das Bekenntnis zur Einheit und Einzigkeit Gottes ist die bleibende Grundlage der Lehre Jesu und seiner Jünger. Es gibt keinen anderen Gott außer dem einen und einzigen, der das Universum geschaffen hat, sich Abraham, Isaak und Jakob und allen Propheten geoffenbart hat und der die Menschen am Jüngsten Tage richten wird. Niemals hat ein Jünger Jesu Jesus als Gott neben Gott angenommen (wie Sure 5,116 suggeriert). Wir glauben an den

“seligen und alleinigen Machthaber, den König der Könige und Herren der Herren, der allein Unsterblichkeit hat und ein unzugängliches Licht bewohnt, den keiner der Menschen gesehen hat und auch nicht sehen kann, dem Ehre und ewige Macht gebührt.” (1 Timotheus 6,15-16)

Das Bekenntnis zur Einheit und Einzigkeit Gottes erfolgt unter Christen aber nicht durch rituelle Rezitation, sondern durch ein Leben nach seinen Geboten und durch das beständige Bemühen, andere zur Erkenntnis Gottes und zu einem Leben nach seinem Willen zu führen.

Das Bekenntnis zum Propheten Muhammad war allen Muslimen (= Gott ergebenen Menschen) von Abraham bis ins 7. Jahrhundert nach Christus hinein unbekannt, da Muhammad ja erst später kam. Seit Jesus war aber den Gläubigen klar, dass die Offenbarung Gottes in Jesus ihren abschließenden Höhepunkt erfahren hat und keine neue Offenbarung mehr zu erwarten ist.

Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, […] (Hebräer 1,1-2a)

Jesus hat seinen Jüngern verheißen, dass er ihnen den Heiligen Geist senden werde:

“Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.” (Johannes 14,26)

Diese Verheißung hat Jesus an seinen Jüngern ca. 50 Tage später erfüllt. Der Heilige Geist hat die Jünger zu einem tieferen Verständnis der Worte Jesu geführt, an die er sie erinnert hat.2

Zu 2. Das Gebet ist die tägliche Grundlage des geistlichen Lebens jedes Gläubigen.

Seid um nichts besorgt, sondern in allem sollen durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden! (Philipper 4,6)

[...] Mit allem Gebet und Flehen betet zu jeder Zeit im Geist und wachet hierzu in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen!3 (Epheser 6,18)

Jesus selbst lebte aus dem Gebet. Immer wieder suchte er die Nähe seines Vaters:

Und es geschah in diesen Tagen, dass er auf den Berg hinausging, um zu beten; und er verbrachte die Nacht im Gebet zu Gott. (Lukas 6,12)

Seine Jünger folgten seinem Beispiel:

Diese alle verharrten einmütig im Gebet […] (Apostelgeschichte 1,14)

Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten […] (Apostelgeschichte 2,42)

Für die ersten und alle späteren Christen war das Gebet Basis und Ausdruck der bleibenden Gemeinschaft mit Gott. Geistliches Leben bedeutet Beziehung zu Gott, der uns liebt. Durch unser Gebet erwidern wir unsere Liebe zu ihm. Deswegen lässt sich dieses Gebet nicht in die starren Formen eines Rituals pressen. Liebe überwindet jedes Ritual. Das Gebet Jesu und das Gebet seiner Nachfolger ist nicht an bestimmte Formen, Orte, Zeiten und Gebetsrichtungen gebunden. Der ewige Gott umgibt uns beständig. Seine Liebe zu preisen ist Inhalt all unserer Worte und unseres ganzen Lebens.

Zu 3. Christen kennen keine Armensteuer. Das Alte Testament kannte verschiedene Regelungen für die Versorgung der Armen. So sollte etwa jedes dritte Jahr der gesamte Zehnte den Armen zur Verfügung stehen (Deuteronomium 14,28-29). Grundsätzlich galt:

Deinem Bruder, deinem Elenden und deinem Armen in deinem Land sollst du deine Hand weit öffnen! (Deuteronomium 15,11)

Die Gläubigen des Neuen Testaments gingen über diese Regelung noch weit hinaus. Die Liebe Gottes, die ihre Herzen erfüllte, drängte sie, ihren armen Brüdern und Schwestern nicht nur Almosen zu geben, sondern mit ihnen zu teilen:

Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war. (Apostelgeschichte 2,44-45)

Denn es war auch keiner bedürftig unter ihnen, denn so viele Besitzer von Äckern oder Häusern waren, verkauften sie und brachten den Preis des Verkauften und legten ihn nieder zu den Füßen der Apostel; es wurde aber jedem zugeteilt, so wie einer Bedürfnis hatte. (Apostelgeschichte 4,34-35)

In der jetzigen Zeit diene euer Überfluss dem Mangel jener, damit auch der Überfluss jener für euren Mangel diene, damit Gleichheit entstehe. (2 Korinther 8,14)

Wenn daher verschiedene “christliche” Gruppen späterer Zeit den Zehnten des Alten Testaments wieder eingeführt haben, so haben sie das Niveau des Neuen Testaments verlassen. Ebenso ist auch die Zakat, so positiv sie sich auch in verschiedenen islamischen Völkern ausgewirkt haben mag, ein Rückschritt im Vergleich zum Maß der Hingabe, die wir im Neuen Testament finden. Die Hingabe des Christen wird von der Liebe geleitet und lässt sich nicht durch Prozentsätze regulieren.

Zu 4. Fasten ist im Neuen Testament nicht durch ein Gesetz geregelt. Jesus widersprach dem offen zur Schau getragenen Fasten der Pharisäer:

Wenn ihr aber fastet, so seht nicht düster aus wie die Heuchler! Denn sie verstellen ihre Gesichter, damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit du nicht den Menschen als ein Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, der im Verborgenen ist! Und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. (Matthäus 6,16-18)

Gott will unsere ganze Hingabe und Liebe, die jeden Tag, das ganze Jahr lang für Ihn und für den Dienst an den Brüdern da ist. Diese Hingabe bedeutet auch Disziplin. Der Geist des Christen steht über seinem Körper und überwindet dessen Begierden. Wir genießen unsere Speisen mit Dankbarkeit, in dem Bewusstsein, auch verzichten zu können, wenn es die uns von Gott gegebenen Aufgaben erfordern. Diese Disziplin bestimmt unser Leben unabhängig von der Tages- und Jahreszeit. Suchtgifte (wie Nikotin) haben überdies ohnehin keinen Platz im Leben des Christen.

Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid um einen Preis erkauft worden. Verherrlicht nun Gott mit eurem Leib! (1 Korinther 6,19-20)

Zu 5. Für die Gläubigen des Alten Testaments gab es die Vorschrift, dreimal im Jahr nach Jerusalem zu pilgern:

Dreimal im Jahr soll alles bei dir, was männlich ist, vor dem HERRN, deinem Gott, erscheinen an der Stätte, die er erwählen wird: am Fest der ungesäuerten Brote und am Fest der Wochen und am Fest der Laubhütten. Und man soll nicht mit leeren Händen vor dem HERRN erscheinen: jeder nach dem, was seine Hand geben kann, nach dem Segen des HERRN, deines Gottes, den er dir gegeben hat. (Deuteronomium 16,16-17)

Zur Zeit Jesu gab es zwischen den Juden und den Samaritern Streit darüber, wo denn diese Stätte sei, “die der Herr erwählen wird”. Die Juden pilgerten nach Jerusalem, für die Samariter war der Berg Garizim der Berg der Anbetung Gottes.

Jesus gab einerseits den Juden recht, ging aber dann noch weiter. Er sprach zu einer Samariterin:

Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet […] Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater im Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche Anbeter. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten. (Johannes 4,21-24)

Deswegen kennen Christen keinen heiligen Ort und keine heiligen Zeiten. Vielmehr ist jeder Ort und jede Zeit durch die Gegenwart des Allmächtigen geheiligt. Wir verstehen unser ganzes Leben als eine Pilgerfahrt zum himmlischen Jerusalem.

[...] sondern ihr seid gekommen zum Berg Zion und zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem; und zu Myriaden von Engeln, einer Festversammlung; und zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die in den Himmeln angeschrieben sind; und zu Gott, dem Richter aller; und zu den Geistern der vollendeten Gerechten [...] (Hebräer 12,22-23)

Mehr zum Ort der Anbetung Gottes ist hier zu finden.

In der näheren Betrachtung dieser “fünf Säulen” zeigt sich also, dass Jesus keine genauen Regeln zu verschiedenen religiösen Übungen gelehrt hat, dass er uns aber die Liebe gebracht hat, die jedes religiöse Regelwerk sprengt und uns zur vollkommenen Hingabe an den ewigen Gott im Dienst an den Gläubigen führt, hin zu einem Islam, zu einer wahren Ergebenheit in den Willen Gottes, die uns für alle Ewigkeit mit dem Glück der Gemeinschaft mit unserem Schöpfer erfüllen wird. Der Weg, den Jesus uns gezeigt und gelehrt hat, der Weg, der Jesus selber ist, ist der wahre Islam. Wir laden alle, die sich Muslime nennen, ein, diesen Weg zu gehen, und so die wahre Hingabe zu Gott zu finden und zu leben.

Und Wir haben vor dir nur Männer gesandt, denen Wir Offenbarungen eingegeben haben. So fragt die Besitzer der Ermahnung, wenn ihr nicht Bescheid wisst. (Sure 16: An-Nahl 43)

Zu jener Zeit begann Jesus und sprach:
Ich preise dich Vater, Herr des Himmels und der Erde,
dass du dies vor Weisen und Verständigen
verborgen und es Unmündigen geoffenbart hast.
Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir.
Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater;
und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater,
noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn,
und der, dem der Sohn ihn offenbaren will.
Kommt her zu mir, alle ihr Mühseligen und Beladenen!
Und ich werde euch Ruhe geben.
Nehmt auf euch mein Joch, und lernt von mir!
Denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig,
und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen;
denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.
(Matthäus 11,25-30)

PS: Wenn wir in dieser Abhandlung den Begriff “Christ” verwendet haben, dann sind damit ausschließlich Menschen gemeint, die mit ihrem ganzen Leben den Weg Jesu gehen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass unsere von Sünden geprägte westliche Konsumgesellschaft auf keinen Fall “christlich” genannt werden darf, und dass auch alle allgemein als “christliche Kirchen” anerkannten Organisationen vom biblischen Christentum weit entfernt sind.


Fußnoten:
  1. nach einer von Al-Buhari überlieferten Hadith; zitiert nach: Muhammad Ibn Ahmad Ibn Rassoul, Die fünf Säulen des Islam, 3. Auflage, Köln 1999; ISBN: 3-8217-0189-7, Seite 3; In dieser Hadith werden die vierte und fünfte Säule nicht in der heute üblichen Reihenfolge angeführt. 
  2. Der Begriff „erinnern“ setzt voraus, dass die „Erinnerten“ Augenzeugen Jesu sein mussten. Andere konnte der Geist nicht an die Worte erinnern. Eine Umdeutung dieser Verheißung Jesu auf Muhammad ist dadurch von vornherein ausgeschlossen. 
  3. Im Neuen Testament wird der Begriff „Heiliger“ nicht im römisch-katholischen Sinn verwendet. Im Neuen Testament werden alle Christen als Heilige bezeichnet, weil jeder, der Jesus nachfolgt, sich von ihm heiligen lässt.