Der Ort der Anbetung Gottes

Sichem (Garizim) – Bethel – Schilo – Jerusalem – Mekka – ?

Jeden Tag beugen sich Millionen von Muslimen im Gebet Richtung Mekka, und jeder Muslim will in Erfüllung seiner religiösen Pflicht wenigstens einmal in seinem Leben diesen Ort im Rahmen der Hadsch aufsuchen. Auch zahlreiche Menschen, die sich Christen nennen, suchen jedes Jahr im Rahmen von Wallfahrten verschiedenste Orte auf, die sie als heilige Orte bezeichnen, an denen sie meinen, Gott besonders nahe zu sein.

Wir wollen uns in dieser Abhandlung anschauen, was Gott im Laufe der Geschichte durch seine Propheten über den Ort der Anbetung geoffenbart hat. Zuerst wollen wir einen kurzen geschichtlichen Überblick über die Zeit von Abraham bis Mohammed geben. Anschließend wollen wir ausgehend vom Wesen Gottes und seinen heiligen Schriften noch weitere Gedanken dazu sammeln.

Von Abraham bis Mohammed

1. Abraham

Die Thora erzählt uns, dass Abraham, dem Ruf Gottes Folge leistend, von Mesopotamien nach Kanaan zog, mit der Verheißung Gottes:

… und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde. (Genesis 12,3)

In Kanaan erschien Gott dem Abraham zuerst in Sichem, wo ihm Abraham einen Altar baute (Genesis 12,6-7). Anschließend zog Abraham weiter nach Bethel. Auch dort baute Abraham dem Herrn einen Altar und rief seinen Namen an (Genesis 12,8). Später verehrte Abraham Gott in derselben Weise bei Hebron (Genesis 13,18), wo ihm der Herr auch später erschien (Genesis 18,1). Nach der Geburt Isaaks pflanzte Abraham eine Tamariske in Beerscheba und rief dort den Namen des Herrn an (Genesis 21,33). Das Opfer Abrahams im Lande Morija (Genesis 22,1-19) wird in 2 Chronik 3,1 mit dem Berg gleichgesetzt, auf dem Salomo in Jerusalem den Tempel gebaut hat.

In Sure 2,125-130 spricht auch der Koran von einem Heiligtum, das Abraham gemeinsam mit seinem Sohn Ismael erbaut hat:

Und als Wir das Haus zu einem Versammlungsort für die Menschen und zu einer sicheren Stätte machten: “Nehmt euch die Stätte Abrahams zu einem Gebetsort.” Und Wir erlegten Abraham und Ismael auf: “Reinigt mein Haus für diejenigen, die den Umlauf vollziehen und die eine Einkehrzeit einlegen und die sich verneigen und niederwerfen.” 126 Und als Abraham sagte: “Mein Herr, mach dieses zu einem sicheren Gebiet und beschere seinen Bewohnern Früchte, denen von ihnen, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben.” Er sprach: “Und wer nicht glaubt, den lasse Ich ein wenig genießen, alsdann zwinge Ich ihn in die Pein des Feuers – welch schlimmes Ende!” 127 Und als Abraham dabei war, vom Haus die Fundamente hochzuziehen, (er) und Ismael. (Sie beteten:) “Unser Herr, nimm es von uns an. Du bist der, der alles hört und weiß. 128 Unser Herr, mache uns beide Dir ergeben und (mache) aus unserer Nachkommenschaft eine Gemeinschaft, die Dir ergeben ist. Und zeige uns unsere Riten, und wende Dich uns gnädig zu. Du bist der, der sich gnädig zuwendet, der Barmherzige. 129 Unser Herr, lass unter ihnen einen Gesandten aus ihrer Mitte erstehen, der ihnen deine Zeichen verliest und sie das Buch und die Weisheit lehrt und sie läutert. Du bist der Mächtige, der Weise” 130 Und wer verschmäht die Glaubensrichtung Abrahams außer dem, der seine Seele geringschätzt? Wir haben ihn ja im Diesseits auserwählt. Und im Jenseits gehört er zu den Rechtschaffenen.

Im Koran wird dieser Ort der “Stätte Abrahams” nicht näher bezeichnet. Sure 3,96 lokalisiert dieses Heiligtum in “Bakka”, einem unbekannten Ort, der von der Überlieferung mit Mekka gleichgesetzt wird1 .

So finden wir bereits bei Abraham fast alle Orte, die später als Heiligtum dienten, erwähnt: in der Bibel Sichem, Bethel, Beerscheba, Hebron, Jerusalem, im Koran Mekka.

2. Isaak, Jakob und die Frühzeit des Volkes Israel

Über Isaak erfahren wir, dass er wie sein Vater Abraham den Herrn in Beerscheba angebetet hat (Genesis 26,24-25). Isaaks Sohn Jakob betete Gott in Bethel (Genesis 28,11-22; 35,1-15) und in Sichem (Genesis 33,18-20) an.

Später, als das Volk Israel in Ägypten versklavt war, erschien Gott dem Mose am Horeb oder Berg Sinai (Exodus 3,1-15). Dort schloss Gott auch seinen Bund mit dem Volk Israel und gab ihm durch Mose seine Gesetze (Exodus 19-24). Dieser Ort diente aber nicht als Heiligtum. Während der vierzig Jahre in der Wüste hatte das Volk Israel ein Zeltheiligtum, das sie an jedem Ort ihrer Wanderung aufstellten. In den Kapiteln 25-31 des Buches Exodus wird die Errichtung dieses Heiligtums detailliert geschildert.

Nachdem das Volk Israel im Land Kanaan sesshaft wurde, gab es nicht nur einen Ort der Anbetung. Wir finden verschiedene Orte erwähnt: Sichem (Josua 24,1-28), Bochim (Richter 2,5), Ofra (Richter 6,24), Schilo (1 Samuel 1,3), Bethel, Gilgal, Mizpa, Rama (1 Samuel 7,16-17), Gibeon (1 Könige 3,2-4).

3. David, Salomo und der Tempel

Als David König war, zeigte ihm Gott die Tenne des Arauna in Jerusalem als Platz, wo er ihm opfern sollte (2 Samuel 24,18-25). Sein Sohn Salomo erbaute Gott an diesem Ort den Tempel (1 Könige 6-8), der hinfort zum einzigen Heiligtum des Volkes Israel wurde. Selbst als der Tempel durch Nebukadnezzar zerstört wurde, blieb Jerusalem das Zentrum der Anbetung Gottes. In Daniel 6,11 lesen wir über den Propheten Daniel:

Und als Daniel erfuhr, dass das Schriftstück ausgefertigt war, ging er in sein Haus. Er hatte aber in seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem hin; und dreimal am Tag kniete er auf seine Knie nieder, betete und pries vor seinem Gott, wie er es auch vorher getan hatte.

Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil wurde bestärkt durch die Initiative der Propheten Haggai und Sacharja der Tempel in Jerusalem wieder aufgebaut (Esra 5-6; Haggai 1-2).

4. Jesus

So blieb die Situation bis zum Kommen Jesu. Maria, die Mutter Jesu, brachte ihren erstgeborenen Sohn in den Tempel nach Jerusalem, um dort ein Opfer darzubringen. Auch Jesus hat den Tempel in Jerusalem akzeptiert und hat in seinem Eifer für Gott die Menschen, die diesen Ort für ihre Geschäfte verwendet haben, aus dem Tempel vertrieben:

Und er fand im Tempel die Ochsen-, Schaf- und Taubenverkäufer und die Wechsler sitzen. 15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um; 16 und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus! 17 Seine Jünger gedachten daran, dass geschrieben steht: “Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.” (Johannes 2,14-17)

Aber Jesus kündigte auch die Zerstörung des Tempels an.

Und als er aus dem Tempel heraustrat, sagt einer seiner Jünger zu ihm: Lehrer, sieh, was für Steine und was für Gebäude! 2 Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird. (Markus 13,1-2)

In der Anfangszeit seines öffentlichen Wirkens führte Jesus mit einer samaritischen Frau ein Gespräch über den Ort der Anbetung:

Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. 20 Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, dass in Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse. 21 Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden. 23 Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. 24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten. 25 Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen. 26 Jesus spricht zu ihr: Ich bin es, der mit dir redet. (Johannes 4,19-26)

Ein wichtiger Unterschied zwischen den Samaritern und den Juden bestand in der Frage nach dem Ort der Anbetung. Während die Juden den Tempel in Jerusalem als den einzigen Ort der Anbetung Gottes sahen, betrachteten die Samariter den Berg Garizim bei Sichem als den Ort, den sich Gott erwählt hatte.

Jesus bezieht einerseits klar Position für den jüdischen Standpunkt (Vers 22), weist andererseits aber darauf hin, dass das nur vorläufig so sein wird. Er spricht davon, dass die Stunde kommt, und schon da ist, in der die wahren Anbeter Gott in Geist und Wahrheit anbeten werden, dass also die Frage des Ortes keine Bedeutung mehr haben wird.

Vierzig Jahre nachdem Gott Jesus zu sich erhöht hatte, wurde der Tempel in Jerusalem von den Römern zerstört und wurde seither nicht mehr aufgebaut. Die prophetischen Worte Jesu haben sich erfüllt.

5. Die Jünger Jesu und die Kirche

Die Jünger Jesu haben nach der Erhöhung Jesu auch keinerlei Versuch unternommen, ein neues Heiligtum zu bauen. In den ersten Jahren, als sie in Jerusalem waren, haben sie sich auch im Tempel versammelt (Apostelgeschichte 2,46a), aber hauptsächlich haben sie Gott dort angebetet, wo sie gelebt haben, in ihren Häusern. Die Anbetung Gottes war nicht örtlich von ihrem Leben getrennt. Ihr ganzes Leben nach den Geboten Gottes war die Anbetung Gottes:

Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. 2 Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. (Römer 12,1-2)

Für die Jünger Jesu war das Heiligtum Gottes nicht ein Gebäude aus Stein, sondern die Gemeinde der Gläubigen:

Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist. 21 In ihm zusammengefügt, wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, 22 und in ihm werdet auch ihr mit aufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist. (Epheser 3,20-22)

Zu ihm kommend als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, 5 lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott hochwillkommen durch Jesus Christus! (1 Petrus 2,4-5)

Nach dem Kommen Jesu gab es also kein örtlich lokalisierbares Heiligtum Gottes mehr. So wie Abraham, überall wohin er zog, Gott anbetete, so beten die Jünger Jesu überall, wo sie leben, Gott im Geist und in der Wahrheit in einem heiligen Leben an.

Aus der Schrift “Octavius” von Minucius Felix aus dem späten zweiten Jahrhundert nach Christus wissen wir, dass Christen damals keine Altäre und Heiligtümer hatten. Die Heiden warfen den Christen vor:

Weshalb sonst hätten sie keine Altäre, keine Tempel, keine bekannten Götterbilder; warum reden sie nicht öffentlich, versammeln sich niemals ungescheut? Weil eben der Gegenstand ihrer Verehrung und Verheimlichung strafbar oder schändlich ist. … Doch welche Ungeheuerlichkeiten und Missgestalten schafft erst die Fantasie der Christen! Ihren Gott kann man weder zeigen noch sehen und doch soll er die Sitten, Handlungen, Worte, ja sogar die geheimen Gedanken aller genau erforschen. Er muss also bald dahin bald dorthin eilen und überall gegenwärtig sein. So machen sie aus ihm einen Plage- und Wandergeist, der zudem unverschämt neugierig ist, wenn er wirklich bei allen Handlungen zugegen sein soll und allerorts umherschweift. Und doch kann er sich weder mit den einzelnen Dingen abgeben, wenn er auf das Ganze seine Tätigkeit ausdehnt, noch dem Ganzen genügen, wenn er sich in das Einzelne verliert. (Minucius Felix, Octavius X)

Die christliche Antwort darauf::

Glaubt ihr aber, wir halten den Gegenstand unserer Verehrung geheim, wenn wir keine Tempel und Altäre haben? Welches Bild soll ich für Gott ersinnen, da doch im Grunde genommen der Mensch selbst Gottes Ebenbild ist? Welchen Tempel soll ich ihm bauen, da diese ganze Welt, das Werk seiner Hände, ihn nicht zu fassen vermag? (Minucius Felix, Octavius XXXII)

Erst als sich die, die sich Christen nannten, immer mehr von Jesus abwandten, wurde mit dem Bau eigener christlicher Kultbauten begonnen. So kommt es, dass es auch heute zahlreiche “christliche Heiligtümer” gibt. Diese Bauwerke sind aber im Ungehorsam gegenüber dem Wort Gottes gebaut worden und widersprechen dem durch Jesus offenbarten Willen Gottes.

6. Mohammed

Als ungefähr sechshundert Jahre nach Jesus Mohammed auftrat, knüpfte er mit seiner Botschaft nicht an das an, was Gott durch Jesus herabgesandt hat, sondern setzte die Tradition des Volkes Israel fort, indem er zuerst Jerusalem zum Ort der Anbetung machte. Im zweiten Jahr nach der Auswanderung von Mekka nach Medina änderte Mohammed nach islamischer Tradition die Gebetsrichtung nach Mekka.

Koranisch begründet wird das durch Sure 2,144:

Wir sehen, wie du dein Gesicht zum Himmel hin und her richtest. So werden Wir dir eine Gebetsrichtung festlegen, mit der du zufrieden sein wirst. Wende also dein Gesicht in Richtung der heiligen Moschee. Und wo immer ihr seid, wendet euer Gesicht in ihre Richtung. Diejenigen, denen das Buch zugekommen ist, wissen bestimmt, dass es die Wahrheit von ihrem Herrn ist. Gott lässt nicht unbeachtet, was sie tun.

Obwohl hier der Ort des Heiligtums nicht genannt wird, sind sich Sunniten und Schiiten einig, dass hier die Kaaba in Mekka gemeint ist. Nach dem Einzug Mohammeds in Mekka und der Reinigung der Kaaba von den Götzen wurde Mekka für die Muslime endgültig zum Heiligtum, zu dem hin sich alle Muslime im Gebet beugen.

Beachtenswert allerdings ist die Aussage in Sure 2,115:

Gottes ist der Osten und der Westen. Wohin ihr euch auch wenden möget, dort ist das Antlitz Gottes. Gott umfasst und weiß alles.

Manche vermuten, dass dieser Vers aus der Zeit stammt, in der nicht mehr nach Jerusalem und noch nicht nach Mekka gebetet wurde. Wir können hier noch eine Spur der Lehre Jesu vermuten, die aber ohne Auswirkung auf die islamische Praxis blieb.

Weiterführende Gedanken

Dieser Überblick hat gezeigt, dass es in der Geschichte eine Entwicklung gab, von vielen Heiligtümern zur Zeit der Patriarchen und der frühen Geschichte des Volkes Israel, hin zu einem einzigen Heiligtum, dem Tempel in Jerusalem. Durch diese Zentralisierung des Kultes an einen Ort sollte die Einheit und Einzigkeit Gottes ausgedrückt werden. Sie wurde im Gesetz des Mose geboten:

Hüte dich, dass du ja nicht deine Brandopfer an jeder Stätte opferst, die du siehst! 14 Sondern an der Stätte, die der HERR in einem deiner Stämme erwählen wird, dort sollst du deine Brandopfer opfern, und dort sollst du alles tun, was ich dir gebiete. (Deuteronomium 12,13-14)

Jesus hat dieses Heiligtum nicht abgelehnt, aber auf dessen baldiges Ende hingewiesen und von einer Zeit gesprochen, die kein sichtbares Heiligtum mehr kennt, weil Gott Geist ist und im Geist und in der Wahrheit verehrt werden will. Die Jünger Jesu haben das auch verstanden und haben kein sichtbares Heiligtum gehabt.

Mohammed und der Islam sind teilweise2 wieder zu der Zeit vor Jesus zurückgekehrt und halten ein irdisches Heiligtum für notwendig und von Gott geboten.

Für uns stellt sich nun die Frage, ob die Erkenntnis, die Jesus in seinem oben zitierten Gespräch mit der Samariterin hatte, nicht von Gott war, dass es nicht richtig ist, dass Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet werden will, und ob es deshalb notwendig war, dass Gott einen weiteren Propheten sandte, der die Gläubigen wieder zur “vorjesuanischen” Wahrheit führen musste, nämlich, dass wir einen heiligen Ort der Anbetung brauchen.

Demgegenüber ist festzuhalten, dass wir im Koran keinerlei Kritik an Jesus finden. Auch ist ganz offensichtlich, dass sich die prophetischen Worte Jesu über die Zerstörung des Tempels in Jerusalem vierzig Jahre, nachdem Jesus sie gesprochen hatte, erfüllt haben. Es ist auch nicht möglich, zu sagen, dass die Worte Jesu über die Anbetung Gottes in Geist und Wahrheit eine spätere Erfindung waren, da die geschichtliche Tatsache, dass die ersten Christen keine sichtbaren Heiligtümer hatten, und auch nicht die Absicht hatten, welche zu bauen, ganz klar für die Echtheit dieser Worte Jesu spricht.

Auch die Heiligen Schriften vor Jesus weisen darauf hin, dass Gott kein Heiligtum braucht.

So sagte Salomo bei der Einweihung des Tempels in Jerusalem:

Ja, sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen? Siehe, der Himmel und die Himmel der Himmel können dich nicht fassen; wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe! (1 Könige 8,27)

Und im Buche des Propheten Jesaja lesen wir:

So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße. Wo wäre denn das Haus, das ihr mir bauen könntet, und wo denn der Ort meines Ruhesitzes? 2 Hat doch meine Hand dies alles gemacht, und alles dies ist geworden, spricht der HERR. Aber auf den will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert vor meinem Wort. (Jesaja 66,1-2)

Gott hat also schon in der Zeit vor Jesus, als es ein Heiligtum gab, die Gläubigen darauf aufmerksam gemacht, dass Gott kein Haus braucht, und dadurch auch auf die Zeit vorbereiten wollen, in der es kein Heiligtum mehr geben wird.

Das Argument Jesu war, dass Gott Geist ist. Weil Gott Geist ist, ist er an keinen Ort in dieser materiellen Welt gebunden. Wir nahen uns Gott nicht dadurch, dass wir uns an einen besonderen Ort begeben, sondern dadurch, dass wir ihn Herr sein lassen in unserem Leben. Was uns von Gott trennt, ist nicht eine örtliche Distanz, die wir durch eine Wallfahrt überwinden können. Was uns von Gott trennt, sind unsere Sünden, wie wir es auch im Buch des Propheten Jesaja lesen:

Siehe, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz, um zu retten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören; 2 sondern eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört. (Jesaja 59,1-2)

Weiter heißt es im selben Buch:

Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen. (Jesaja 57,15)

Der Hohe und Erhabene wohnt bei denen, die zerschlagenen und gebeugten Geistes sind, bei denen, die sich ihrer Sündhaftigkeit und Schuld bewusst sind, die ihre Sünden bereuen und Hilfe nur noch von Gott erwarten.

Zu einem sichtbaren Heiligtum mit Opfern und Pilgerfahrten kann man auch ziehen, ohne sich von seinen Sünden zu reinigen. So ein Heiligtum ist auch immer in Gefahr, von Menschen zur Erfüllung ihrer wirtschaftlichen Interessen missbraucht zu werden. Das war zur Zeit Jesu so, als Jesus die Kaufleute aus dem Tempel vertrieben hat. Das finden wir auch heute in den verschiedenen “christlichen” Heiligtümern und Wallfahrtsorten. Auch für die Stadt Mekka sind die Pilger die Haupteinkommensquelle. All das kann nicht geschehen, wenn wir der durch Jesus offenbarten Wahrheit folgen.

Letztlich bereitet uns die Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit auf unseren ewigen Dienst an Gott in der himmlischen Herrlichkeit vor. Der Prophet Johannes durfte das himmlische Jerusalem schauen:

Und ich sah keinen Tempel in ihr, denn der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm. (Offenbarung 21,22)

Diese ewige Wirklichkeit beginnt schon jetzt im Leben derer, die Jesus folgen, die den Allmächtigen in ihrem täglichen Leben in Heiligkeit dienen. Sie bauen dadurch das geistliche Haus Gottes, die Gemeinde,

… denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr. (1 Korinther 3,17b)

Zu diesem Dienst im wahren, heiligen Tempel Gottes laden wir ein.

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Fußnoten:
  1. Eine Außenseitermeinung vertritt Christoph Luxenberg, der “Bakka” nicht für einen Ortsnamen hält und folgende Übersetzung vorschlägt: “Das erste Heiligtum, das für die Menschen errichtet wurde, ist dasjenige, das er umzäunt hat als heiligen (Bezirk) und rechte Leitung für die Menschen.” Christoph Luxenberg, Die syro-aramäische Lesart des Koran, 3. Auflage 2007, 338, Fußnote 359 
  2. Die im Tempel von Jerusalem üblichen regelmäßigen Tieropfer wurden nicht wieder eingeführt.